Was bedeutet Rating?
Rating
ist ein Verfahren der Kreditwürdigkeitsprüfung
Zukünftig werden von den Banken aber auch von Sparkassen und Volksbanken
sehr viel strengere Maßstäbe an die Kreditvergabe angelegt. Natürlich hat
sich ein Banker auch bisher schon eine fundierte Meinung über die Bonität
seiner einzelnen Geschäftskunden gebildet. Heute wird neben positiven finanziellen
und wirtschaftlichen Verhältnissen der Bankkunden vor allem eine deutlich
verbesserte Transparenz in allen geschäftspolitischen und wirtschaftlichen
Fragen erwartet.
Der Ausschuss der Bankenaufsicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schlägt im so genannten Basel-II-Akkord vor, die notwendige Eigenkapitalquote der Banken davon abhängig zu machen, welche Risikostreuung die jeweilige Bank in ihrer Kundschaft aufweist. Zu diesem Zweck wird jeder Kunde einer durch seine Ratingnote bestimmte Risikostufe zugeordnet.
Eine Bank hat nur eine begrenzte Menge an Eigenkapital zur Verfügung. Wenn sie sich auf Kunden mit guter Bonität konzentriert, braucht sie für jeden einzelnen nur wenig Eigenkapital nachzuweisen. Sie kann also in diesem Falle sehr viel mehr Kunden bedienen und eher ihren Marktanteil erhöhen, als wenn sie viele Problemfälle in ihrem Kreditbestand hat. Für die Bank ist es daher fortan schwieriger, sich im Mittelstand zu engagieren.
Jede Bank ist gefordert, über höhere Erträge mehr Eigenkapital anzusammeln
und zu diesem Zweck die Zinssätze nach der jeweiligen Bonität der Kunden
zu spreizen: die guten Kunden zahlen weniger Zinsen, die Problemkunden
einen höheren Zinssatz als bisher. Gerät ein Betrieb z.B. durch ein Konjunkturtief
in Nöte oder reicht evtl. verspätet nicht qualifizierte Reports ein, so
muss er - der Strategie der Banken nach - höhere Zinsen zahlen. Für Unternehmen,
die sich nicht rechtzeitig auf eine transparente Unternehmensführung umstellen
oder die nicht bereit sind, sich regelmäßig durchleuchten zu lassen, kann
das Rating also zur Existenzfrage werden: wenn sie nämlich nicht nur einen
Risikozuschlag im Zins zahlen, sondern falls ihnen ein Neukredit oder eine
Kreditverlängerungen von der Bank / Sparkasse ganz verweigert wird.
Unternehmer sind gut beraten, wenn sie sich zu einer deutlichen Gewichtsverlagerung in der Betriebsführung entschließen: Kaufmännische und finanztechnische Gesichtspunkte müssen unbedingt stärker in den Vordergrund rücken. Der Prozess der Bonitätsprüfung eines Unternehmens ist heute unter Abwägung der zukünftigen Chancen + Risiken eines Unternehmens stärker formalisiert. Eine umfangreiche Liste von Kriterien wird bewertet.
Quantitative („harte“) Kriterien sind beispielsweise:
- Bilanzrelationen und -methoden, wie
- Vermögens- und Kapitalstruktur
- Umsatz- und Gewinnsituation
- Liquiditäts- und Ertragslage
- Rückstellungen und Abschreibungen
Daneben werden qualitative („weiche“) Kriterien in Punkten bewertet und damit rechenbar gemacht, wie z. B.:
- Produktpolitik und Vertriebspolitik
- Marktanteil, Marktentwicklung und Marktchancen
- Qualität und Kontinuität des Managements
- Führungsstruktur
- Nachfolgeregelung
- Betriebsklima und Mitarbeiter
Die zahlreichen Merkmale werden im jährlichen Rhythmus bewertet, bei Problemfällen
auch quartals- oder monatsweise. Außer den Stichtagsdaten werden die bisherigen
Unternehmensergebnisse und vor allem die Planungen der Unternehmen für
künftige Geschäftsjahre ausgewertet. Es wird heute erwartet, dass die Kredit
suchenden Firmen diese Daten unaufgefordert bereitstellen, was bei Unternehmen
mit einem gut funktionierenden Rechnungswesen kein Problem ist, bei anderen
jedoch einen beträchtlichen, oft nicht sachgerechten Arbeitsaufwand verursacht.
Dabei ist aus der Sicht der Bank ein wesentliches Merkmal, wann die Unterlagen vorgelegt werden können: eine Firma kann schon dadurch nachhaltig Pluspunkte sammeln, indem sie den Jahresabschluss bereits im Frühjahr und nicht erst im Herbst des Folgejahres präsentiert. Durch den Unternehmensvergleich innerhalb der jeweiligen Branche wird gleichzeitig die zukunftsgerichtete Leistungsfähigkeit des Betriebes auf dem Prüfstand gestellt.
Probleme
der Branchenzuordnung
Eine Schwierigkeit kann sich für viele Betriebe ganz unverschuldet dadurch ergeben, dass sie einer - wirklichen oder vermeintlichen – „Problembranche“ angehören. Zur Zeit gelten beispielsweise Bauwirtschaft und Gastronomie als ,schwierig‘ (hohe Kreditausfälle). Daher müssen Kreditnehmer aus diesen Branchen bei Kreditwünschen mehr um die Kreditzusage kämpfen, in jedem Fall aber mit einem Punktabzug im Rating rechnen, selbst wenn sie von den Problemen der Branche nur am Rande betroffen sein sollten. Die so genannten „weißen Raben“ einer Branche werden also selten als solche erkannt!
